Ein Polizeieinsatz bei einer privaten Geburtstagsfeier am Samstagabend (07.02.2026) in Jeserig sorgt weiter für Diskussionen. Während die Polizei von tätlichen Angriffen auf Beamte spricht, werden in sozialen Netzwerken schwere Vorwürfe gegen das Vorgehen der Einsatzkräfte erhoben. Inzwischen hat die Polizei eigene Ermittlungen wegen möglichen Fehlverhaltens eingeleitet.
Gegen 22:40 Uhr war die Polizei nach Jeserig (Potsdam-Mittelmark) gerufen worden. Anlass war eine gemeldete Ruhestörung bei einer privaten Feier mit rund 35 bis 40 anwesenden Personen.
Nach Angaben der Polizei hatte noch vor Eintreffen der Beamten ein 66-jähriger Mann versucht, den Verantwortlichen zur Ruhe zu bewegen. Dabei sei er von einem Gast mit der Faust ins Gesicht geschlagen worden.
Am Einsatzort trafen die Beamten auf den 50-jährigen Hauseigentümer. Laut Polizei habe sich dieser im Verlauf der Sachverhaltsklärung zunehmend aggressiv verhalten, einen 30-jährigen Polizeibeamten am Hals gepackt und gewürgt. Der Mann wurde daraufhin zu Boden gebracht und fixiert. Dabei wurde eine 33-jährige Polizistin leicht am Arm sowie am Schienbein verletzt. Beide Beamte blieben dienstfähig.
Ein Atemalkoholtest beim Hauseigentümer ergab einen Wert von über 1,7 Promille. Nach Abschluss der Maßnahmen wurde er vor Ort entlassen.
Während die Veranstaltung aufgelöst wurde und Platzverweise gegen die Gäste ausgesprochen wurden, kam es laut Polizei zu einem weiteren tätlichen Angriff auf Einsatzkräfte. Ein 16-jähriger Jugendlicher musste demnach ebenfalls durch einfache körperliche Gewalt zu Boden gebracht und fixiert werden. Er wurde später an Erziehungsberechtigte übergeben.
Aufgrund der angespannten Lage wurden zusätzliche Polizeikräfte hinzugezogen.
Schwere Vorwürfe gegen die Polizei
In sozialen Medien schilderte ein Gast der Feier eine völlig andere Wahrnehmung des Einsatzes. Er spricht von einem aus seiner Sicht überzogenen Großeinsatz mit zahlreichen Streifenwagen und einer massiven Präsenz teilweise vermummter Beamter.
Nach seiner Darstellung sei die Feier überwiegend im Haus und in einer Garage verlaufen, die Lautstärke angemessen gewesen. Er wirft der Polizei ein aggressives und unverhältnismäßiges Vorgehen vor, beschreibt Szenen mit weinenden Jugendlichen, körperlicher Gewaltanwendung sowie verbalen Entgleisungen durch einzelne Einsatzkräfte.
Zudem kündigt er an, dass Teile des Einsatzes gefilmt worden seien.
Polizei ermittelt auch gegen eigene Beamte
Am Dienstag (10.02.2026) veröffentlichte die Polizei ein Update. Demnach habe man im Rahmen erster Ermittlungen Kenntnis über mögliches Fehlverhalten von vor Ort eingesetzten Polizeibeamten erhalten.
Es seien entsprechende Ermittlungen eingeleitet worden. Gegenstand sei es, die Vorkommnisse und Zusammenhänge umfassend zu prüfen, Zeugen zu hören sowie gesicherte Beweise auszuwerten. Die Ermittlungen dauern an.
Der Einsatz in Jeserig beschäftigt nun sowohl die Strafverfolgungsbehörden als auch die Öffentlichkeit. Während sich mehrere Beteiligte wegen des Verdachts des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte verantworten müssen, steht zugleich das polizeiliche Vorgehen selbst auf dem Prüfstand.
Ein abschließendes Bild der Ereignisse liegt derzeit noch nicht vor. Weitere Ergebnisse der Ermittlungen bleiben abzuwarten.

